Waldhöfe, Gärtringen

Franzosen im Schwabenland

 

Auf dem Waldhof der Familie Lutz werden seit 15 Jahren Salers-Rinder gehalten

 

Man sagt, es gäbe so viele verschiedene Maultaschenrezepte wie schwäbische
Hausfrauen. Und das klingt durchaus plausibel. Besonders lecker sind allerdings die der Familie Lutz in Gärtringen. Nach einem original schwäbischen Rezept werden die Maultaschen hier noch wie zu Großmutters Zeiten selbst gemacht. Das Fleisch für die Füllung wird auf dem Betrieb mit Mutterkuhhaltung selbst produziert und verarbeitet.

 

 

 

Salers – eine Kleinstadt in Frankreich?
Als der in die Jahre gekommene Milchviehstall der Familie Lutz vor rund 15 Jahren große Modernisierungsschritte forderte, entschied sich die Familie das Milchvieh abzuschaffen und in die Mutterkuhhaltung und Mast einzusteigen. Da die milchbetonten Rassen aber nicht für die Mast geeignet waren, musste erst mal eine passende Fleischrasse gefunden werden. Freunde der Familie aus dem Elsaß hatten bereits gute Erfahrungen mit Kühen der Rasse Salers gemacht. Die Salers gehören zu den ältesten Rinderrassen Frankreichs und stammen aus den vulkanischen Bergen des französischen Zentralmassivs. Ursprünglich waren die Salers eine Dreinutzungsrasse, das bedeutet sie konnten sowohl für die Milch- als auch für die Fleischproduktion und  die Arbeit auf dem Feld eingesetzt werden. Seit mehreren Jahren wird bei der Zucht aber vermehrt auf Fleischleistungsmerkmale Wert gelegt. Bei Familie Lutz weiden zwischenzeitlich 40 Kühe mit ihren Kälbern und einigen Bullen auf den Flächen rund um den Aussiedlerhof in der Nähe von Gärtringen.

 

Original Schwäbische Maultaschen
Gute Muttereigenschaften, Gutmütigkeit und eine gute Fleischqualität prädestinieren die Salers-Rinder für die Mutterkuhhaltung. Ins Auge stechen die schokobraune Fellfarbe und die langen, spitzen Hörner. „Auch wenn in Milchviehbetrieben die Kühe im Kälberalter aus Arbeitsschutzgründen meistens enthornt werden, gehören für mich die Hörner einfach zu den Rindern dazu“ sagt Katrin Lutz ganz entspannt. „Besonders schön finde ich die Hörner der älteren Tiere, die leicht gedreht nach oben ragen“, ergänzt die zweifache Mutter. Im Winter werden die recht anspruchslosen Mutterkühe mit ihren Kälbern im geschützten Stall gehalten und mit Grassilage und Heu gefüttert. Die Mutterkühe erhalten zusätzlich ein Mineralfutter. Das Futter  der Kälber und Masttiere wird mit Getreide ergänzt, dass auf rund 100 Hektar Ackerland selbst angebaut wird. Den Sommer über dürfen sie dann auf den weitläufigen Weiden verbringen. Nach acht bis zehn Monaten werden die Kälber dann von ihren Müttern abgesetzt und gemästet. Im Alter zwischen 18 und 24 Monaten haben sie dann das Schlachtgewicht erreicht und werden im Schlachthof in Gärtringen geschlachtet. Stolze 350 bis 400 Kilogramm bringen die Schlachtkörper dann ohne Innereien auf die Waage. Damit das Fleisch zart und aromatisch wird muss es einige Tage im rohen Zustand Kühlhaus reifen. Familie Lutz plant dafür insgesamt zehn Tage ein. Nach dem Schlachten läuft alles nach einem festen Schema ab: Montags wird geschlachtet, am Dienstag der darauffolgenden Woche zerlegt und Mittwochs verpackt. Im Hofladen kann man dann, neben vielen anderen Produkten, Rindfleisch und Maultaschen aus eigener Herstellung kaufen. An Weihnachten und Ostern gibt es als besonderen Leckerbissen zusätzlich Kalbfleisch. Eine weitere Besonderheit des Hofes ist die Backstube, wo Getrud und Katrin Lutz zwei Mal pro Woche frisches Brot backen.

 

 

Starkes Team
Die Landwirtschaft leitet Katrin Lutz gemeinsam mit ihrem Bruder Martin. Während sie im Büro Rechnungen oder Schriftverkehr verwaltet und nebenher auch noch Haushalt und Kinder managt, hat Martin vor allem den Ackerbau fest im Griff. Die Versorgung der Tiere übernehmen meist noch ihre Eltern oder ihr Lebensgefährte Andreas, der sie auch sonst bei allen anfallenden Aufgaben tatkräftig unterstützt. Eigentlich kann Katrin Lutz ganz entspannt in die Zukunft schauen. Größere Investitionen sind vorerst nicht geplant, weil sie noch nicht abschätzen kann, ob ihre Söhne später die Landwirtschaft einmal übernehmen möchten. Im Alter von sieben und neun Jahren haben sie dafür auch noch reichlich Zeit, aber auf keinen Fall sollen sie unter Druck gesetzt werden. „Eigentlich passt für uns gerade alles!“ sagt Katrin Lutz zufrieden.

 

Ansprechpartner:

 

Katrin Lutz
Waldhöfe 4, 71116 Gärtringen
Tel. 07034 29277
E-Mail: Lutz-waldhof-gbr@t-online.de

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